Radio-4-Studio in der AKK-Sendezentrale in Ludwigshafen (Foto: RadioBlog.eu)
Radio-4-Studio in der AKK-Sendezentrale in Ludwigshafen (Foto: RadioBlog.eu)

40 Jahre Privatradio und Privat-TV in Deutschland

In diesen Tagen feiert der private Rundfunk in Deutschland seinen 40. Geburtstag. Hintergrund ist der Start des Kabelpilotprojekts Ludwigshafen/Vorderpfalz am 1. Januar 1984. An mir ging dieser „medienpolitische Urknall“, wie der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel diesen geschichtsträchtigen Tag nannte, vorbei.

Als RTLplus einen Tag später auf Sendung ging, war ich hingegen live dabei. Ich kannte Privatradio nämlich schon seit 1978. Damals entdeckte ich morgens auf Mittelwelle das deutsche Programm von Radio Luxemburg, das ganz anders klang als die Radiostationen der ARD-Anstalten, die ich bis dahin kennengelernt hatte.

Radio Luxemburg machte schon 1983 viel Werbung für RTLplus. On air wurden Anfragen zu Empfangsmöglichkeiten beantwortet. Der Sendestart wurde am 2. Januar 1984 auch live im Radio übertragen. Ich beneidete alle, die den Sender damals empfangen konnten. Wir hatten erst 1988 Kabelfernsehen. Erst dann hatte ich die Möglichkeit, privates Fernsehen zuhause zu sehen.

Vom Urlaubssender bis zum transalpinen Rundfunk

Beim Radio sah das anders aus. 1978 hörte ich erstmals Radio Adria, einen deutschsprachigen Urlaubssender, der bis 1991 jeweils in den Sommermonaten für deutsche, österreichische und schweizerische Urlauber an der oberen Adriaküste gesendet hat. Hier erlebte ich zum ersten Mal, wie ein kleines Team bemüht war, ein unterhaltsames und informatives Hörfunkprogramm für Millionen Urlauber zu produzieren.

1982 wurde ich auf Radio Valcanale aufmerksam, das vom italienischen Kanaltal aus Richtung Kärnten und Steiermark sendete. Ende des gleichen Jahres konnte ich erstmals Radio Brenner hören, das von Südtirol aus Radio für Bayern machte. Im Sommer 1983 hörte ich das legendäre Radio M1, das dank gegenüber Radio Brenner noch höherem Senderstandort im bayerischen Zielgebiet in perfekter Stereo-Qualität zu empfangen war.

1983 war aber auch das Jahr des Comebacks von Radio Caroline. Mehr als drei Jahre nach dem Untergang des seit 1964 genutzten Sendeschiffs Mi Amigo konnte der Seesender vom neuen Schiff, der MV Ross Revenge, auf Sendung gehen. Über den 90 Meter hohen Sendemasten war das Signal auch im Rhein-Main-Gebiet sehr stark.

Aus diesem Gebäude in Aquileia sendete von 1977 bis 1991 Radio Adria (Foto: RadioBlog.eu)
Aus diesem Gebäude in Aquileia sendete von 1977 bis 1991 Radio Adria (Foto: RadioBlog.eu)

1986: Endlich zuhause Privatradio-Empfang auf UKW

Die Programme, die ich auf Reisen hören konnte, sowie die Mittel- und Kurzwellensender wie Radio Luxemburg und Radio Caroline machten Lust darauf, endlich auch zuhause in zeitgemäßer Qualität – das war damals UKW – privaten Rundfunk zu empfangen. Das wäre wohl erstmals im Herbst 1985 möglich gewesen, als Radio Weinstraße für eine Woche als Messeradio senden konnte. Das habe ich leider nicht mitbekommen.

Am 30. April 1986 war es dann aber soweit. Ich entdeckte nachmittags die Testschleife von Radio 4 aus Rheinland-Pfalz auf 103,6 MHz. Der Empfang des 5-kW-Senders auf dem Mannheimer Fernmeldeturm war in Obertshausen leider sehr schwach. Wir fuhren über den 1. Mai nach Biebergemünd-Bieber, wo das Signal sogar etwas besser war. So erlebte ich gegen 18.30 Uhr den Sendestart von Radio 4.

Ab 1. Juli 1986 hatte ich auch zuhause guten Empfang. Zwei Monate nach dem Start in der Vorderpfalz ging Radio 4 auch in Mainz auf Sendung. Der 2-kW-Sender auf 100,6 MHz war auch in Obertshausen rauschfrei zu empfangen. Nachmittags um 15 Uhr ging Radio 4 Rosa Welle erstmals auf Sendung – das Regionalmagazin, das von der Anzeigenzeitung Blitztip gestaltet wurde. Das Programm begeisterte mich, sodass ich Radio Luxemburg untreu wurde und stattdessen Radio 4 hörte.

1987 erstmals lokales Privatradio

In München starteten die ersten terrestrischen Privatsender schon im Mai 1985. In Unterfranken dauerte es zwei Jahre länger. Wieder konnte ich in Bieber dabei sein, als Radio Frankenwarte am 8. Mai 1987 für den Großraum Würzburg auf 103,0 MHz auf Sendung ging. In Obertshausen war der Sender nur schwach zu empfangen.

Am 15. Mai 1987 war schließlich Sendestart der Aschaffenburger Lokalfunkfrequenz 91,6 MHz. Um 6 Uhr früh begrüßte die Welle Untermain ihre Hörer, bevor um 7 Uhr mit Radio Primavera der Lokalsender on air ging, der heute rund um die Uhr für das bayerisch-hessische Grenzgebiet Programm macht. Damals gab es mit Radio ARA noch einen dritten Anbieter, der ab 10 Uhr erstmals seine Hörer aus dem gläsernen Studio in der Schöntal-Passage in Aschaffenburg begrüßte.

Der Empfang auf 91,6 MHz war ganz in Ordnung, aber nicht wirklich gut. Einerseits war das Signal vom Senderstandort Stengerts nicht sehr stark. Andererseits störte der SWF3-Sender Koblenz, der ebenfalls auf 91,6 MHz sendete, den Empfang. Besser wurde das erst 1991, als Radio Primavera vom Standort Hahnenkamm bei Alzenau auf 90,8 MHz auf Sendung ging.

Radio Telstar Offenburg gehörte zu den Privatfunk-Pionieren in Baden-Württemberg (Foto: RadioBlog.eu)
Radio Telstar Offenburg gehörte zu den Privatfunk-Pionieren in Baden-Württemberg (Foto: RadioBlog.eu)

Hessen war Spätstarter

Hessen war Spätzünder, wenn es um den Privatfunk-Start ging. Abseits eines mehrtägigen Messeradios zur Broadcast-Messe in Frankfurt am Main ging es erst am 15. November 1989 los: Radio FFH startete auf einer alles andere als landesweit ausgebauten Senderkette. Das Programm begeisterte aber. Das hat sich beim Massenpublikum bis heute nicht geändert, während mich der Sender nicht mehr anspricht.

Nach den Vollprogrammen auf landesweiter, regionaler und lokaler Ebene kamen die Spartensender. Mitte der 90er Jahre ging die Rock Antenne im Rahmen des bayerischen DAB-Pilotprojekts auf Sendung. Nach vier Jahren Testlauf startete der Antenne-Bayern-Ableger am 18. Oktober 1999 offiziell. Das Programm begeisterte mich als Rockmusik-Fan von Anfang an. Anfangs musste ich mich auf Reisen aus Bayern Richtung Heimat nördlich von Erlangen von der Rock Antenne verabschieden. Nachdem das DAB-Sendernetz ausgebaut wurde, hatte ich aber auch zuhause Empfang. Zudem wurde die Rockwelle auch auf Astra Digital Radio aufgeschaltet.

In Hessen gab es noch zwei Privatradios, die mich begeisterten. Das war zum einen Main FM – bis das Programm kaputtformatiert wurde. Zum anderen ist das Radio BOB!, das mir – ähnlich wie die Rock Antenne – in den ersten Jahren seiner Existenz besser als heute gefallen hat.

Privatradio heute

Während mich die Programme privater Radiostationen in den 80er und 90er Jahren begeistert haben, ist das heute kaum noch der Fall. Die Playlisten der meisten Sender sind so klein, dass man nach wenigen Tagen nahezu alle Titel kennt. Nachts, abends und zum Teil sogar im Tagesprogramm wird mit Voicetracks oder sogar komplett ohne Moderation gearbeitet. Da fragt man sich, was das noch mit Radio zu tun hat.

Wenn ich jetzt die ersten Experimente mit künstlicher Intelligenz (KI) erlebe, mache ich mir große Sorgen, dass sich das Radio sukzessive selbst abschafft. Radio lebt von der Moderation, von der Interaktion mit dem Hörer, von spannenden und packenden Inhalten. Langweilige Playlisten und immer mehr Einheitsbrei sind dagegen eher ein Abschaltkriterium.

Zum Glück gibt es auch noch Positiv-Beispiele, also Programme, wo noch „richtig“ Radio gemacht wird. Da wäre zum einen das bundesweit sendende Schwarzwaldradio. Zu nennen wären aber auch Lokalsender wie Radio BHeins in Berlin-Brandenburg, extra radio in Hof und Radio 2day in München. Dank Internet kann man diese Programme auch überregional empfangen.

Das ehemalige RTL-Sendezentrum Heusteig in Stuttgart (Foto: RadioBlog.eu)
Das ehemalige RTL-Sendezentrum Heusteig in Stuttgart (Foto: RadioBlog.eu)

Berater raus

Natürlich kommt es nicht von ungefähr, dass viele Privatradios (und selbst Programme öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten) sehr ähnlich klingen. Seit den 90er Jahren holen sich immer mehr Veranstalter Berater ins Haus, die die Programme „optimiert“ haben. Das hat anfangs sogar ganz gut funktioniert. Doch sukzessive klangen die Sender immer ähnlicher, die Programmqualität nahm ab, zumal auch immer billiger produziert wurde.

Leider treiben diese Berater noch immer in vielen Sendern ihr Unwesen. Freiwillig gehen werden sie nicht, sie verdienen ja ihr Geld damit. Unverständlich ist, dass die Programmanbieter nicht reagieren. Leute, jagt diese Berater doch endlich aus dem Sender. Setzt lieber auf das Gespür Eurer Moderatoren und Redakteure für richtig gute Programme. Dann werden Privatradio und der Hörfunk insgesamt eine Zukunft haben. Geht es so weiter wie im Moment, sehe ich für das Radio, wie wir es heute kennen, längerfristig schwarz.