Der Deutschlandradio-Hörfunkrat ist am 10. September erstmals zu einer Sitzung in Brüssel zusammengekommen. Unter dem Motto „Europa immer im Ohr“ setzte das Aufsichtsgremium damit die Tradition fort, einmal im Jahr extern zu tagen, um mit Akteuren aus Medien, Politik und Gesellschaft vor Ort ins Gespräch zu kommen.
Ein Schwerpunkt der aktuellen Sitzung war die bevorstehende Programmreform des Deutschlandfunks, die zum 30. November 2026 umgesetzt werden soll. Das Aufsichtsgremium ließ sich in Brüssel über den aktuellen Stand der Reformplanungen unterrichten. Programmdirektorin Jona Teichmann, Deutschlandfunk-Chefredakteurin Susanne Schwarzbach und Matthias Gierth, Hauptabteilungsleiter Kultur, erläuterten insbesondere die vorgesehenen Veränderungen bei den Sendungsformaten für die Hintergrundberichterstattung sowie die künftigen redaktionellen Planungsprozesse, die auch im neuen Programmschema die thematische Vielfalt sicherstellen sollen. Darüber hinaus wurde dem Hörfunkrat ein Konzept zur Evaluation der Reform vorgestellt.
In der anschließenden Diskussion betonten die Mitglieder des Hörfunkrats, dass der Deutschlandfunk mit der Reform auch verstärkt jüngere Zielgruppen ansprechen solle, zugleich aber sein unverwechselbares Profil sowie die programmliche Vielfalt erhalten bleiben müssten. Zur geplanten Evaluation erklärte Hörfunkratsvorsitzende Katrin Hatzinger: „Wir begrüßen, dass Deutschlandradio auf Anregung des Hörfunkrates ein Evaluierungskonzept für die geplante Programmreform entwickelt hat. Nun gilt es, dieses weiter zu schärfen, mit konkreten Zielmarken zu hinterlegen und konsequent umzusetzen. Auch der Hörfunkrat wird den Reformprozess eng begleiten und im Rahmen seiner Angebotskontrolle auf der Grundlage seines Qualitätssicherungsleitfadens bewerten.“
BRF-Direktor zu Gast
Zu Gast in der Sitzung war Alain Kniebs, Direktor des Belgischen Rundfunks (BRF), des kleinsten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieters Europas. Der BRF produziert ein Programm für die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien und arbeitet seit 2001 auch eng mit dem Deutschlandfunk zusammen. In einem ausführlichen Austausch mit den Mitgliedern des Hörfunkrats erläuterte Kniebs den besonderen Auftrag des BRF sowie die Unterschiede zwischen den öffentlich-rechtlichen Rundfunksystemen Deutschlands und Belgiens. Dabei standen insbesondere Fragen der unterschiedlichen Finanzierung, der Gremienstruktur und der gesellschaftlichen Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Mittelpunkt. „Es ist beeindruckend, wie professionell der BRF trotz seiner begrenzten Finanzmittel arbeitet und wie er die Kooperation mit anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über Grenzen hinweg selbstverständlich lebt“, so Katrin Hatzinger.
Der Hörfunkrat genehmigte einstimmig den Jahres- und Konzernabschluss 2025 von Deutschlandradio. Das Geschäftsjahr der Körperschaft schloss mit einem Jahresüberschuss von 17,2 Millionen Euro ab; unter Berücksichtigung der Ertrags- und Aufwandsrechnung ergab sich ein Haushaltsüberschuss von 6,1 Millionen Euro. Nach der Billigung des Abschlussberichts entlastete das Gremium Intendant Stefan Raue einstimmig für das Geschäftsjahr 2025.
Intendant informiert über aktuelle Themen
Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue informierte den Hörfunkrat über aktuelle Themen, unter anderem über die laufende Abstimmung zum nächsten Themenschwerpunkt der Deutschlandradio-Denkfabrik. Darüber hinaus berichtete Raue über Weiterentwicklungen der Deutschlandfunk-App, für die zusätzliche Möglichkeiten zur Beteiligung des Publikums am Programmangebot entwickelt wurden.
Im weiteren Verlauf der Sitzung tauschten sich die Mitglieder des Hörfunkrats zudem über die aktuelle medienpolitische Entwicklung nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt aus. Das Gremium lobte hierbei ausdrücklich die ausgewogene und qualitativ hochwertige Berichterstattung in den Deutschlandradio-Programmen am Wahlabend.
Anschließend beschloss der Hörfunkrat Änderungen an seiner Geschäftsordnung sowie eine Netiquette für die Einbringung von Programmbeschwerden. Prof. Dr. Annette Leßmöllmann, zweite stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrats, betonte: „Mit diesen Beschlüssen reagieren wir auch auf den rauer gewordenen Ton in der Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Respektvoller Umgang miteinander bleibt eine zentrale Voraussetzung für einen konstruktiven öffentlichen Diskurs.“
Bericht zu Programmausschuss-Sitzung
Aus dem Programmausschuss berichtete Professor Dr. Franz Riemer über die Sitzung, die am Vorabend in Brüssel stattgefunden hatte. Die Ausschussmitglieder informierten sich dabei über aktuelle Programmaktivitäten sowie die anstehende Programmreform. Im Mittelpunkt stand ein Austausch mit dem Korrespondenten-Team, das für die Deutschlandfunk-Programme aus Brüssel über aktuelle Entwicklungen der europäischen Politik berichtet. Sechs vorliegende Programmbeschwerden wurden als nicht abhilfefähig beschieden, da keine Verletzung der Programmgrundsätze festgestellt werden konnte. Im Verlauf der Hörfunkratssitzung beschäftigten sich die Mitglieder des Gremiums zudem mit einer weiteren Programmbeschwerde zu einem Beitrag der Sendung „Wissenschaft im Brennpunkt“ im Deutschlandfunk und wiesen auch diese Beschwerde zurück.
Dem Programmausschuss folgte auf Einladung der Hörfunkratsvorsitzenden ein „Get together“ mit den Korrespondenten von Deutschlandradio in Brüssel, dem Direktor des belgischen Rundfunks, Europaabgeordneten und weiteren Akteuren aus Medien und europäischer Politik.