Als ich vorhin meinen an der Dachantenne hängenden Hama DIR3100 eingeschaltet hatte, war ich im ersten Moment schockiert. Der erste bundesweite DAB+-Multiplex (DR Deutschland) war im Kanal 5C nicht mit Vollausschlag zu empfangen. Das ist freilich ein Luxusproblem, denn der Empfang war trotzdem einwandfrei. Dennoch hätte der Effekt auf eine Empfangsverschlechterung hindeuten können.
Ich switchte auf den RTL-SDR Blog V4 in Verbindung mit der AbracaDABra-Software auf dem iMac um und startete einen Suchlauf. Dabei zeigte sich, dass ich erstmals in dieser Saison troposphärische Überreichweiten beobachten konnte. Mehrere Multiplexe, die normalerweise an meinem Standort nicht zu empfangen sind, kamen herein. Dafür war eben das Signal im ersten „Bundesmux“ schlechter, und der Südwestrundfunk-Multiplex für Baden-Württemberg (SWR BW N) im Kanal 9D war gar nicht mehr verfügbar.
An den Nicht-Empfang des privaten Muxes aus dem „Ländle“ (OAS BW) im Kanal 11B habe ich mich ja schon gewöhnt. Hier stört das regionale Ensemble für Dortmund und Südwestfalen, das ebenfalls im Kanal 11B sendet. Dass auch der SWR nicht hereinkommt, ist allerdings selten – vermutlich verursacht durch den Gleichkanal-Mux für landesweites Privatradio in NRW (Mein NRW DAB+).

Erstempfang aus NRW
Dass wir recht gute Überreichweiten hatten, zeigte sich indes an einem Erstempfang, und zwar im besagten Kanal 11B. Hier war der Multiplex NRW2_2_SWfDo zu empfangen. Das dürfte der endgültige Beweis dafür sein, dass dieses Ensemble mir auch unter normalen Bedingungen den Empfang des OAS-Multiplexes aus Baden-Württemberg kaputtmacht. Für Audio reichten die rund 6 dB zwar nicht, aber zumindest die Kennungen waren über einen längeren Zeitraum stabil zu empfangen.
Verantwortlich für den Empfang war in erster Linie der Sender Hochsauerland, der mit 4 kW ERP arbeitet. Aber auch die Sender Siegen-Süd (3,5 kW ERP) und Ebbegebirge (6 kW ERP) waren zu empfangen, wie die Anzeige in der AbracaDABra-Software ergab.
Im Kanal 11D war das landesweite Sendernetz des Bayerischen Rundfunks (Bayern) wie gewohnt zu hören. Bei extremen Überreichweiten habe ich auch schon erlebt, dass stattdessen das im gleichen Kanal sendende Netz des Westdeutschen Rundfunks durchkam. Diese Gleichkanalbelegungen sind aus DXer-Sicht eine Seuche. Insbesondere der Kanal 11D ist in weiten Teilen Hessens kaum nutzbar. Auf UKW konnten – und können derzeit immer noch – BR und WDR nebeneinander empfangen werden.

Rhein-Nahe-Mux und mehrere Ensembles aus Bayern
Aus Rheinland-Pfalz grüßte der regionale Mux Rhein-Nahe im Kanal 12A. Das ist an meinem Standort ebenfalls ein seltener Gast. Aus Bayern konnte ich den Mux für Oberfranken im Kanal 10B stabil mit Audio beobachten. Auch der Testkanal BDR im Kanal 10D mit den beiden Ausbildungsradios M94.5 und max neo war stabil mit Audio zu empfangen, während im Kanal 6C zwar ein Signal angezeigt wurde, dieses aber nicht zum Einlesen des Multiplexes (vermutlich Oberpfalz) gereicht hat.
Auch von anderen bayerischen Senderketten, die ich in der Vergangenheit bei Überreichweiten gehört habe (beispielsweise aus Nürnberg und Augsburg) war dieses Mal nichts zu sehen oder gar zu hören. Dennoch ein erstes tolles DX-Ergebnis nach einer mehrmonatigen Durststrecke.
