BR-Sender Kreuzberg/Rhön (Foto: SmartPhoneFan.de)
BR-Sender Kreuzberg/Rhön (Foto: RadioBlog.eu)

UKW-Aus in weniger als zehn Jahren?

Seit es das terrestrische Digitalradio DAB bzw. dessen Nachfolgestandard DAB+ gibt, wird darüber diskutiert, wann der analoge UKW-Hörfunk abgeschaltet werden kann. Aktuell steht 2033 im Raum, nachdem die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) den Simulcast auf DAB+ und UKW bei den ARD-Anstalten und beim Deutschlandradio nur noch für knapp zehn Jahre finanzieren will.

Wörtlich heißt es im aktuellen KEF-Bericht: „Seit dem 20. Bericht werden die Kosten für die terrestrische Verbreitung von Hörfunkprogrammen über UKW und DAB+ gemeinsam betrachtet und schrittweise reduziert. Dieses Abschmelzmodell wurde ursprünglich unter der Annahme entwickelt, dass im Jahr 2029 UKW weitgehend durch DAB+ abgelöst sein würde. Dieses Ziel erscheint aufgrund immer noch nicht getroffener medienpolitischer Entscheidungen bezüglich eines koordinierten Ausstiegs aus UKW aus heutiger Sicht nicht mehr erreichbar. Somit können auf absehbare Zeit die erheblichen Kosteneinsparpotenziale, die durch die Beendigung des teuren Simulcast-Betriebs UKW/DAB+ möglich wären, nicht umgesetzt werden. Die Kommission trägt der Situation Rechnung und passt das Abschmelzmodell an. Die mit dem 20. Bericht für ARD und Deutschlandradio festgelegten Zielwerte für die Kosten der Programmverbreitung über DAB+ bleiben unverändert bestehen, müssen aber erst eine Beitragsperiode später, also in der Periode 2033 bis 2036, erreicht werden.“

Einen Abschaltzwang für den UKW-Rundfunk gibt es auch für den Zeitraum nach 2033 nicht. Allerdings sollen dann nur noch die Verbreitungskosten für DAB+ über den Rundfunkbeitrag finanziert werden. Wollen die Rundfunkanstalten an UKW festhalten, müssten sie – Stand jetzt – andere finanzielle Mittel hierfür umwidmen.

UKW-Ende wirklich in rund zehn Jahren?

Muss der Radiohörer damit rechnen, schon in weniger als zehn Jahren auf UKW verzichten zu müssen? Nun, ich habe bereits erwähnt, dass es immer wieder Abschalttermine gab, die dann später wieder zurückgenommen wurden. Das könnte auch dieses Mal der Fall sein.

Auf der anderen Seite wird es kaum möglich sein, beide Sendernetze auf Dauer parallel zu betreiben. Das ist schlicht zu teuer. Zurück ins analoge Zeitalter will man im zweiten oder dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts aber auch nicht mehr.  Aber Radio ggf. nur noch über DAB+ und via Internet?

Es sollte bis 2033 möglich sein, bundesweit für guten DAB+-Empfang zu sorgen. Allerdings breiten sich die Wellen im für das digitale Radio genutzten 200-MHz-Bereich nicht so weit aus wie die analogen Wellen rund um 100 MHz. Die Netze müssen kleinzelliger geplant werden, um vor allem auch innerhalb von Gebäuden für guten Empfang zu sorgen.

Kompromiss denkbar?

Das kleinzellige Netz lässt sich im jeweils eigenen Sendegebiet einer Rundfunkanstalt gut umsetzen, doch mit dem Overspill in benachbarte Regionen sieht es allein schon physikalisch bedingt schlechter aus. Wird man den Bayerischen Rundfunk also künftig nicht mehr in Bad Hersfeld empfangen können, oder den Südwestrundfunk in Düsseldorf, um nur zwei Beispiele zu nennen?

Vielleicht ist ja auch ein Kompromiss möglich, der so aussieht, dass große, leistungsstarke UKW-Sender erhalten bleiben, die DAB+-Versorgungslücken schließen und in benachbarte Regionen einstrahlen. Kleinere Sendeanlagen könnten wiederum aus Kostengründen entfallen. Deutschlandradio und Bayerischer Rundfunk praktizieren das an ersten Standorten bereits seit einigen Jahren.

Nun könnte man argumentieren, dass Overspill in „fremde Sendegebiete“ offiziell ohnehin nicht erwünscht ist und der Bayerische Rundfunk nur für Bayern einen Versorgungsauftrag hat, während der SWR nur für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sendet. Dem gegenüber stehen aber über Jahrzehnte gewachsene Sendegebiete – und der BR hat nunmal auch in Hessen Hörer, genauso wie der SWR in Nordrhein-Westfalen. Bleibt zu hoffen, dass die Interessen der Nutzer bei Abschaltszenarien berücksichtigt werden und die Mehrheit der Nutzer ihren Lieblingssender auch künftig terrestrisch empfangen kann.