Genauer Blick auf die aktuellen MA-Zahlen (Foto: SWR/Thorsten Hein)
Genauer Blick auf die aktuellen MA-Zahlen (Foto: SWR/Thorsten Hein)

Media-Analyse: UKW-Abschaltung mit verheerenden Folgen

Am Mittwoch war es wieder soweit: Die deutschen Radiostationen haben Zeugnisse in Form der Media-Analyse Audio erhalten. Auch dieses Mal waren die Zahlen interessant, auch wenn sie aufgrund neuer Mikrozensus-Außenvorgaben nicht direkt mit den Ergebnissen früherer Media-Analysen vergleichbar sind.

Eines der Ergebnisse der ma 2026 Audio II ist, dass kein einziger Einzelsender mehr „Hörer-Millionär“ ist. Einzig der Mantelprogramm-Veranstalter Radio NRW kommt auf 1,3 Millionen Hörer ab 14 Jahren in der Durchschnittsstunde werktags zwischen 6 und 18 Uhr. Das ist sogar ein Plus von 2,2 Prozentpunkten gegenüber der ma 2026 Audio I.

Bayern 1, bislang ebenfalls mit mehr als einer Million Hörern, verlor 10,1 Prozentpunkte und kommt „nur“ noch auf 981.000 Hörer. Damit liegt das Landesprogramm des Bayerischen Rundfunks noch mit großem Vorsprung vor dem Drittplatzierten, SWR3, dessen Reichweite um 5,3 Prozentpunkte auf 934.000 Hörer einbrach.

Rockradios verlieren Hörer

Radio BOB! und die Rock Antenne haben Hörer verloren, wenn auch auf hohem Niveau. Radio BOB! kommt auf 676.000 Hörer in der Durchschnittsstunde (- 3,2 Prozent) und liegt auf Rang 9 der meistgehörten Programme Deutschlands. Die Reichweite der Rock Antenne brach um 3,2 Prozentpunkte auf 448.000 Hörer ein.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei regionalen Rockradios. Rockland Sachsen Anhalt verlor 22,2 Prozentpunkte und kommt nur noch auf 14.000 Hörer, die Hörerzahlen von Rockland Radio brachen um 20,6 Prozentpunkte auf 50.000 Hörer ein. Dabei gilt es zu bedenken, dass die meisten genannten Veranstalter in den vergangenen Jahren zum Teil massive Hörergewinne verbuchen konnten.

80s80s: Hörergewinne setzen sich fort

80s80s Radio liegt als einziger bundesweiter Classic Hits Sender unter den Top 20. 277.000 Hörer in der Durchschnittsstunde katapultieren die Station auf Rang 17. Gegenüber der im März veröffentlichten Media-Analyse legte der Regiocast-Sender um 9,5 Prozentpunkte zu. Hier wird die Entwicklung bis zur ma 2027 Audio I spannend, denn dann wirkt sich erstmals die Abschaltung des landesweiten UKW-Sendernetzes in Mecklenburg-Vorpommern aus.

Bei der Oldie Antenne wirken sich möglicherweise die rund um den Jahreswechsel vorgenommenen Programmänderungen aus. 88.000 Hörer in der Durchschnittsstunde bedeuten ein Minus von 4,3 Prozentpunkten. Damit liegt der Antenne-Bayern-Ableger nur knapp vor Schwarzwaldradio, das zwar auch 2,4 Prozentpunkte einbüßte, aber immer noch auf 81.000 Hörer kommt.

Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei Nostalgie, das bei der März-MA fast die Hälfte seiner Hörer verlor, jetzt aber wieder um 39,1 Prozentpunkte zulegte. Der Energy-Ableger erreicht 32.000 Hörer in der Durchschnittsstunde und muss trotz fast bundesweiter Verbreitung über DAB+ deutlich kleinere Brötchen als viele Mitbewerber backen.

Hitradio Ohr fast verdoppelt

Nostalgie ist zweitgrößter Reichweiten-Gewinner der aktuellen Media-Analyse. Noch davor liegt Hitradio Ohr, Regionalsender aus der Ortenau in Baden-Württemberg. Die Station steigerte sich von 26.000 auf 47.000 Hörer – ein Plus von sagenhaften 80,8 Prozentpunkten. Auf Platz 3 unter den Reichweiten-Gewinnern liegt Rock Antenne Hamburg, das somit dem etwas schlechteren Trend des bundesweiten Programms trotzt. 61.000 Hörer in der Durchschnittsstunde sind gleichbedeutend mit einem Plus von 35,6 Prozent.

Sehr erfolgreich ist auch You FM, die Jugendwelle des Hessischen Rundfunks, die seit Juni als DASDING vom hr sendet. 124.000 Hörer entsprechen einem Plus von 30,5 Prozent. Auch die zweite jüngere Welle in Hessen legte massiv zu: planet radio erreicht 82.000 Hörer (plus 24,2 Prozentpunkte). Zwischen den beiden hessischen Sendern liegt MDR Thüringen, das sich nach Verlusten in den vergangenen Jahren um 27,1 Prozentpunkte auf 197.000 Hörer steigern konnte.

Folgenschwere UKW-Abschaltung

Wie folgenschwer der Verzicht auf eine landesweite UKW-Verbreitung sein kann, zeigt sich bei delta radio aus Schleswig-Holstein. Der Sender verlor fast die Hälfte seiner Reichweite (minus 44,7 Prozentpunkte) und kommt nur noch auf 26.000 Hörer in der Stunde. Dabei wurden die Zahlen teilweise sogar noch zu einer Zeit erhoben, als delta radio noch auf UKW aktiv war. Sprich: Bei der nächsten MA könnte es für delta radio weiter nach unten gehen.

Noch schlechter ist die Entwicklung nur bei Arabella Bayern, das 47,4 Prozent seiner Hörer verlor und nur noch auf 20.000 Hörer in der Durchschnittsstunde kommt. Mehr als ein Drittel seiner Hörer verloren hat auch Energy Bremen (34.000, minus 34,6 Prozentpunkte). Radio Seefunk, der Regionalsender rund um Bodensee und Hochrhein, büßte 30,3 Prozentpunkte ein und kommt nur noch auf 23.000 Hörer in der Durchschnittsstunde.