Eigentlich sollte die UKW-Verbreitung der nichtkommerziellen Lokalradios (NKL) in Hessen Ende Juni eingestellt werden. Aus Kostengründen sollte die terrestrische Verbreitung nur noch über DAB+ erfolgen. Vorteil für die Veranstalter: Sie sind weit über ihr reguläres Sendegebiet hinaus zu hören. Nachteil: UKW-Hörer, die nicht bereit sind, auf DAB+ oder Internet-Streaming umzusteigen, werden vom Empfang ausgeschlossen.
Radio X aus Frankfurt am Main und Radio RFM aus Eschwege haben sich aktiv dafür eingesetzt, weiter auf UKW senden zu können. Im Fall von Radio X hat das – wie berichtet – geklappt. Die Medienanstalt Hessen hat dafür grünes Licht gegeben. Nicht bekannt ist, ob Radio X im Gegenzug seine Verbreitung über DAB+ wieder einstellt. Eine Anfrage hierzu ließ das Frankfurter Bürgerradio unbeantwortet.
Für die DAB+-Abschaltung von Radio X spricht, dass die Medienanstalt Hessen dem regionalisierten Programm von Radio BOB! zum 1. September Kapazitäten in beiden hessischen Multiplexen für private Veranstalter zugewiesen hat. Bliebe es bei der aktuellen Belegung, wäre im Sendernetz für Südhessen im Kanal 12C aber gar kein Platz für Radio BOB! frei. Würde sich Radio X aus dem terrestrischen Digitalradio verabschieden, sähe die Situation anders aus.
Medienanstalt: „Übernehmen keine Kosten für UKW mehr“
Auf Anfrage des Onlinemagazins SatelliFax teilte die Medienanstalt Hessen mit, eine Übernahme der Kosten der NKLs für die Verbreitung über UKW erfolge seit dem 1. Juli „grundsätzlich nicht mehr“. Ausnahme ist Radio X, wo stattdessen keine Förderung für die Verbreitung des Programms über DAB+ mehr erfolgt. Für Radio RFM gibt es offenbar keine Sonderregelung, sodass das Lokalradio für den Raum Eschwege für die UKW-Verbreitung selbst aufkommen oder darauf verzichten muss.
Unklar ist, auf welcher Grundlage die UKW-Verbreitung der hessischen NKLs mit Ausnahme von Radio X jetzt erfolgt. Radio Darmstadt hatte on air erwähnt, „noch bis mindestens Mitte August“ auf UKW zu senden. Woher diese Information stammt und ob das auch für die nichtkommerziellen Lokalradios in Städten wie Kassel, Marburg und Wiesbaden gilt, ist nicht bekannt.
Die Medienanstalt Hessen erklärte gegenüber SatelliFax: „Nach unserer Kenntnis handelt es sich bei der Nutzung beider Distributionswege in sämtlichen Fällen … lediglich um eine Übergangsperiode.“ Neu ist die Möglichkeit für die hessischen NKLs, Fördergelder für die Verbreitung via Internet-Streaming zu bekommen. Dabei ist der Livestream freilich kein Ersatz für die Verfügbarkeit mit jedem einfachen Radio im offiziellen Sendegebiet.
