Die UKW-Verbreitung der nichtkommerziellen Lokalradios (NKLs) in Hessen soll aus Kostengründen zum 30. Juni eingestellt werden. Einzig Radio Darmstadt hat – wie berichtet – angekündigt, anlässlich des Heinerfestes den Sendebetrieb auf 103,4 MHz für einige Tage zu verlängern. Abseits dessen wird das Programm terrestrisch weiterhin auf DAB+ zu empfangen sein.
Die meisten anderen hessischen Bürgerradios informieren ihre Hörer aktiv über die Einstellung der UKW-Verbreitung und darüber, wie die Sendungen künftig zu empfangen sind. Bei Radio Unerhört Marburg ist für den Abend des 30. Juni sogar eine Sondersendung zum UKW-Abschied geplant.
Das sagen Radio RFM und Radio X
Ganz anders sieht es bei Radio RFM in Eschwege und Radio X in Frankfurt am Main aus. Wie es auf der Webseite von Radio RFM heißt, wollen diese beiden Lokalsender weiterhin auf UKW senden. Doch wie soll das erreicht werden? Eine einfache Protestnote wird die Medienanstalt Hessen kaum davon überzeugen, die Verträge mit dem Sendernetzbetreiber zu verlängern.
Radio RFM argumentiert damit, im eigenen Kernsendegebiet nicht mehr auf UKW empfangbar zu sein, wenn die Sender abgeschaltet werden. Dafür würde man auf DAB+ bis nach Südhessen senden, was so freilich nicht stimmt, auch wenn der Streubereich des Sendegebiets für den nordhessischen Privatfunk-Multiplex im Kanal 6A bis in Teile des Rhein-Main-Gebiets reicht.
„UKW ist für den Bürgerfunk keine Komfortfrage, sondern eine Existenzgrundlage“, heißt es auf der RFM-Homepage. „Bürgerfunk lebt davon, dass er ohne technische, finanzielle oder digitale Hürden empfangen werden kann.“ Dabei sind DAB+-Radios zu Preisen von zum Teil unter 20 Euro erhältlich, und der Werra-Meißner-Kreis, also das RFM-Sendegebiet, ist über den Sender auf dem Hohen Meißner bestens versorgt.
Radio X: UKW statt DAB+?
Zu Radio X gibt es seit geraumer Zeit das Gerücht, dass auf UKW 91,8 MHz weitergesendet wird und das Frankfurter Stadtradio den südhessischen DAB+-Multiplex im Kanal 12C verlässt. Das würde zu den Plänen von Radio BOB! passen, ab 1. September in den hessischen DAB+-Privatfunk-Multiplexen zu senden. Im Kanal 12C wäre derzeit nämlich gar kein Platz für ein weiteres Programm.
Auf der anderen Seite gab es nie eine offizielle Information zur Option, Radio X weiterhin auf UKW, dafür aber nicht mehr über DAB+, zu verbreiten. Die Webseite des Senders schweigt sich zu diesem Thema aus – wenige Tage vor der möglichen Abschaltung von einem der beiden terrestrischen Empfangswege. Eine diesbezügliche Anfrage von RadioBlog.eu ließ Radio X unbeantwortet.
Spannender Monatswechsel
Am kommenden Mittwoch wird es demnach spannend: Werden die hessischen NKLs tatsächlich auf UKW abgeschaltet? Wird auch Radio Darmstadt zunächst auf 103,4 MHz abgeschaltet, um zwei Tage später im Rahmen des Veranstaltungsfunks ein kurzes Comeback zu erleben? Verbleiben Radio X und Radio RFM auf UKW? Werden diese Programme im Gegenzug möglicherweise auf DAB+ abgeschaltet?
Unverständlich ist es, dass es den Bürgerradios nicht angeboten wird, die UKW-Sender selbst weiter zu betreiben – ggf. in Kooperation mit einem Dienstleister, der den Betrieb günstiger ermöglicht als der bisherige Netzbetreiber. Der Wunsch der Veranstalter, keine Hörer zu verlieren, ist durchaus verständlich, zumal UKW-Radios immer noch weiter verbreitet sind als DAB+-Empfänger.
Wenn es um die technische Reichweite geht, gewinnen die Veranstalter freilich. Auf UKW wurden Sender mit jeweils nur kleiner Leistung genutzt. Diese haben oft nicht einmal die komplette jeweilige Stadt – oder im Fall von RFM den gesamten Landkreis – erreicht. Auf DAB+ ist der Empfang jeweils in einem größeren Umkreis möglich. Das wird Pendler freuen – oder Hörer, die aus beruflichen oder familiären Gründen nicht mehr in ihrer Heimatstadt wohnen.
Dieses NKL sollte auf UKW bleiben
Ein einziges nichtkommerzielles Lokalradio könnte mit der technischen Reichweite nach der UKW-Abschaltung unzufrieden sein: Radio Unerhört Marburg. Die Sender auf dem Dünsberg bei Gießen und auf der Sackpfeife bei Biedenkopf sind einfach zu weit weg, um überall im Stadtgebiet von Marburg für guten Empfang zu sorgen. Hier hätte man den UKW-Sender beibehalten sollen, bis es für den nordhessischen DAB+-Mux einen zusätzlichen Standort in Marburg gibt.
