Den landesweiten DAB+-Multiplex für Privatsender in Baden-Württemberg im Kanal 11B finde ich durchaus interessant. Rock FM kann ich auf UKW 102,1 MHz nur unter Störungen durch RPR1. aus der Eifel empfangen. An Programme wie Die neue 107,7, antenne 1 Neckarburg oder Seefunk Radio ist auf UKW nicht zu denken, da die Stationen – anders als auf DAB+ – nicht landesweit, sondern nur regional verbreitet werden.
Seit Inbetriebnahme des Senders Mudau konnte ich den von der ON AIR support GmbH (OAS) betriebenen Mux zuhause in Biebergemünd-Bieber über meine Dachantenne empfangen. Es handelte sich um „Grasnarben-Empfang“, da ich nach Süden durch die nächsten Spessart-Berge abgeschattet wohne. Der Empfang aus Richtung Westen und Norden klappt deutlich besser – und genau das wird mir seit Mitte Dezember zum Verhängnis.
Südwestfalen-Mux macht BaWü-Empfang kaputt
Am 18. Dezember wurden fünf der sechs regionalen DAB+-Multiplexe für private Veranstalter in Nordrhein-Westfalen gestartet. Dazu gehört auch das Ensemble für Dortmund und Südwestfalen, das – wie die OAS in Baden-Württemberg – im Kanal 11B sendet. In den eigentlichen Zielgebieten der beiden Multiplexe ist das überhaupt kein Problem, sehr wohl aber an meinem Standort, wo sich die Signale der beiden Senderketten nun gegenseitig auslöschen.
Ich empfange weiterhin den OAS-Mux. Allerdings ist der Empfang nur noch sehr selten stabil. Der aus Südwestfalen stammende Mux macht sich störend bemerkbar, ohne dass er selbst zu empfangen wäre. Das ist sehr bedauerlich. Hobbyfreunde aus dem westlichen Rhein-Main-Gebiet berichten, dass der Empfang des Baden-Württemberg-Muxes nun auch bei ihnen nicht mehr ganz so stabil wie früher ist, obwohl dort der Taunus eigentlich das Signal aus NRW auf Distanz halten sollte.
Ich verstehe, dass man bei der Frequenzplanung kaum solche Extrem-Empfänge, fernab des vorgesehenen Sendegebiets, berücksichtigen kann. Gleichwohl ist es bedauerlich, dass sich die Programmauswahl durch zunehmende Gleichkanal-Belegung reduziert. Die Situation wird sich vermutlich weiter verschlechtern, wenn im Kanal 11B demnächst noch der Sender Ederkopf in Betrieb genommen wird.
Andere Gleichkanal-Belegungen noch schlimmer
Handelt es sich bei meinem schwindenden Empfang des OAS-Multiplexes um ein Luxusproblem, gibt es auf DAB+ auch Gleichkanal-Belegungen, die auch Normalhörer betreffen. Zu nennen wäre der „Klassiker“ des in Bayern und Nordrhein-Westfalen genutzten Kanal 11D. Der Bayerische Rundfunk kann daher vom Kreuzberg/Rhön nur nach Süden und Osten senden, sodass er schon im Raum Fulda nur noch eingeschränkt über DAB+ zu empfangen ist.
Noch schlimmer ist die Situation in Nordrhein-Westfalen, wo der Kanal 12D gleich für zwei regionale Multiplexe verwendet wird (Ostwestfalen/Lippe und Düsseldorf/Wuppertal). Gegenseitige Interferenzen sind unvermeidlich, sodass man sich die Frage stellen könnte, wer auf die Idee mit dieser unglücklichen Frequenzkoordinierung kam. Auf der anderen Seite war es extrem schwierig, überhaupt noch Frequenzen für alle NRW-Regio-Muxe zu koordinieren. Ohne diesen Kompromiss wäre es vermutlich gar nicht möglich gewesen, das Konzept mit den sechs regionalen Sendernetzen umzusetzen.
Unglückliche Frequenzkoordinierungen auch auf UKW
Vergleichbare Probleme gibt es freilich auch auf UKW, etwa auf 107,9 MHz im Rhein-Main-Gebiet, wo Rockland Radio von der Hohen Wurzel bei Wiesbaden und BR Klassik vom Kreuzberg/Rhön gegeneinander „ansenden“. Von Rüsselsheim bis Schlüchtern ist diese Frequenz faktisch unbrauchbar. Mir ist es in exponierter Lage in Mainz schon gelungen, Rockland Radio auszublenden und BR Klassik zu hören. Umgekehrt konnte ich im Spessart schon BR Klassik Radio ausblenden und Rockland Radio hören.
Was ich nie verstanden habe: Warum hat der Bayerische Rundfunk die 107,9 MHz für BR Klassik beibehalten, statt einen Frequenztausch mit BR24 durchzuführen, das vom Kreuzberg/Rhön auf der wesentlich weniger interferenzbelasteten 105,3 MHz sendet. Jetzt dürfte das wohl kein Thema zu sein, da der BR aus Kostengründen auf immer mehr UKW-Sender verzichtet. Mit einer UKW-Abschaltung an einem exponierten Grundnetzsender-Standort wie dem Kreuzberg/Rhön ist freilich vorerst noch nicht zu denken.
