Ausflug zum Sender Biedenkopf (Foto: SmartPhoneFan.de)
Sender Biedenkopf-Sackpfeife (Foto: RadioBlog.eu)

DAB+: WDR rückt näher an den BR heran

Es ist seit Jahren ein Ärgernis: Die landesweiten DAB+-Multiplexe des Bayerischen Rundfunks in Bayern und des Westdeutschen Rundfunks in Nordrhein-Westfalen senden im gleichen Kanal. Dadurch kann der Bayerische Rundfunk beispielsweise vom Standort Kreuzberg/Rhön nicht Richtung Norden senden. Im Großraum Fulda (in Hessen) ist der Empfang kaum möglich. Selbst in manchen Bereichen im äußersten Norden Bayerns ist der BR-Multiplex im Kanal 11D nicht oder nur schwach zu empfangen.

Nun ist der Westdeutsche Rundfunk noch etwas näher an den BR herangerückt: Seit Anfang dieser Woche wird der WDR-Multiplex auch vom Standort Wittgenstein ausgestrahlt. Das ist die beim WDR übliche Bezeichnung für die Sackpfeife bei Biedenkopf in Hessen. Zwar sendet der WDR aus Biedenkopf nur mit 1 kW und nach Westen gerichtet. Dennoch kann es durch die Inbetriebnahme dieses Senders zu weiteren gegenseitigen Störungen zwischen BR- und WDR-Multiplex kommen.

Hörer in Hessen haben das Nachsehen

Betroffen sind vor allem potenzielle Hörer in Hessen – zwischen Bayern und NRW gelegen. Dort haben BR und WDR keinen Versorgungsauftrag. Dennoch sollten bei Sendernetzplanungen über Jahrzehnte gewachsene Hörgewohnheiten berücksichtigt werden. Der Bayerische Rundfunk wird traditionell auch im Rhein-Main-Gebiet, in Süd- und Osthessen gehört. In Mittel- und Nordhessen hat auch der Westdeutsche Rundfunk eine Fangemeinde.

Die Misere des Senders Kreuzberg/Rhön zeigt, dass solche Gleichkanalbelegungen auch für die Versorgung des jeweils offiziellen Sendegebiets unpraktisch sind. Der Bayerische Rundfunk plant nun zusätzliche Sender an weniger exponiert gelegenen Standorten, um die vom Kreuzberg nicht erreichten Hörer zu versorgen.

Stört der BR den WDR auch in NRW?

Ich denke bei der BR/WDR-Problematik im Kanal 11D auch immer an die Erfahrung, die ein Hobbyfreund vor einigen Jahren im Sauerland gemacht hat. Damals war das WDR-Sendernetz in der Region noch nicht ausgebaut, und er konnte im Kanal 11D das Ensemble des Bayerischen Rundfunks hören.

Mittlerweile versorgt der WDR auch das Sauerland mit seinem eigenen DAB+-Multiplex. Doch das Signal des BR ist natürlich nicht verschwunden. Interferenzen wie auf UKW hört man bei der digitalen Ausstrahlung zwar nicht durch ein „Zischeln“ unter dem Nutzsignal. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der BR im Sauerland auch jetzt noch – je nach Standort des Hörers – für Störungen beim WDR-Empfang sorgt.