Moderne Smartphones kommen ohne UKW-Empfangsteil (Foto generiert mit KI)
Moderne Smartphones kommen ohne UKW-Empfangsteil (Foto generiert mit KI)

Warum Smartphones kaum noch UKW-Radio können

Wer ein älteres Android-Smartphone besaß, kennt es vielleicht noch: Kopfhörer einstecken, die passende Radio-App starten und schon ließ sich UKW-Radio hören – ganz ohne Internet und ohne Verbrauch des mobilen Datenvolumens. Das Kopfhörerkabel diente dabei gleichzeitig als Antenne.

Bei aktuellen Smartphones ist das kaum noch möglich. Zwar steckt in manchen Mobilfunk-Chips technisch nach wie vor die Möglichkeit zum UKW-Empfang, die Funktion wird von den Herstellern jedoch häufig nicht mehr aktiviert oder die notwendige Antennenlösung fehlt, da kabelgebundene Kopfhörer kaum noch zum Einsatz kommen.

Streaming hat UKW verdrängt

Wie der US-Technikdienst BGR berichtet, war die Integration von UKW-Radio in Smartphones vor allem in den 2010er Jahren ein Thema. Der US-Rundfunkveranstalter Emmis Communications versuchte damals gemeinsam mit Partnern, den UKW-Empfang über die App „NextRadio“ auf Smartphones zu etablieren. Unter anderem wurden Vereinbarungen mit Sprint, LG und Samsung geschlossen.

Das Konzept konnte sich allerdings nicht dauerhaft durchsetzen. Die Mobilfunkbranche verwies unter anderem auf eine zu geringe Nachfrage. Gleichzeitig wurde Streaming immer wichtiger. Für die Hersteller war es attraktiver, die Geräte auf schnelle Mobilfunk- und WLAN-Verbindungen auszurichten, anstatt eine Funktion zu pflegen, die kaum genutzt wurde.

Hinzu kommen technische Veränderungen: Moderne Smartphones benötigen immer komplexere Antennenlösungen für LTE, 5G, Bluetooth, GPS und WLAN. Ein zusätzlicher UKW-Empfang, der zudem eine geeignete Antenne benötigt, spielt dabei offensichtlich nur noch eine untergeordnete Rolle.

Auch in Deutschland ist UKW im Smartphone kaum noch ein Thema

Für Deutschland ist die Entwicklung besonders interessant. Denn während UKW hierzulande weiterhin eine enorme Bedeutung hat, sind praktisch keine Smartphones mit FM-Radio mehr erhältlich. Ein wesentlicher Grund: Radio auf dem Smartphone wird heute überwiegend als Streaming-Angebot verstanden. Dafür wird allerdings eine Internetverbindung benötigt.

In Deutschland kommt noch eine weitere Besonderheit hinzu: DAB+ hat sich als digitale Alternative zu UKW etabliert – aber auch DAB+ gehört bislang nicht zur Standardausstattung von Smartphones. Lediglich das inzwischen zehn Jahre alte LG Stylus 2 verfügt über einen DAB+-Empfänger.

Ein DAB+-Empfänger im Smartphone könnte durchaus Vorteile bieten. Der Empfang funktioniert ebenfalls ohne Internetverbindung und damit ohne Datenverbrauch. Gleichzeitig stehen über DAB+ in Deutschland zahlreiche Programme zur Verfügung, darunter bundesweite, regionale und lokale Angebote.

Der Radiomarkt entwickelt sich hierzulande deshalb in eine etwas ungewöhnliche Richtung: Während immer mehr klassische Radiogeräte DAB+ unterstützen, ist das Smartphone als wichtigstes mobiles Mediengerät beim terrestrischen Radioempfang weitgehend außen vor. Das hat auch technische Gründe. Shiftphone hatte ein Smartphone mit DAB+ in Planung. Die Empfangsleistung war aber nicht zufriedenstellend, sodass das Gerät ohne Radio-Empfangsteil auf den Markt kam.

Ein technischer Rückschritt?

Aus Sicht der Radiohörer könnte man die Entwicklung durchaus kritisch sehen. Das Smartphone ist längst Taschencomputer, Fernseher, Musikplayer, Navigationsgerät und Kommunikationszentrale – nur ein einfacher terrestrischer Radioempfänger fehlt bei fast allen Geräten.

Eine verpflichtende UKW- oder DAB+-Ausstattung von Smartphones ist in Deutschland derzeit kein Thema. Damit bleibt eine kuriose Situation: Das Smartphone hat den klassischen Radiowecker, das Taschenradio und den MP3-Player weitgehend ersetzt – aber ausgerechnet die einfachste Form des Radioempfangs ist bei modernen Smartphones kaum noch zu finden.

Für Radioveranstalter ist das durchaus relevant. Denn wer heute über das Smartphone Radio hört, tut dies meist über einen Stream. Damit wird aus einem ursprünglich frei empfangbaren terrestrischen Medium ein internetbasiertes Angebot, das von Netzverfügbarkeit, Datenvolumen und letztlich auch den Kosten der mobilen Datenübertragung abhängig ist.

Allerdings muss man auch berücksichtigen, das die wenigsten Smartphones jemals wirklich guten Radioempfang boten. Es handelte sich eher um eine Notlösung, mit der sich wenigstens starke Ortssender gut empfangen ließen. Ich hatte bisher nur ein einziges Mobiltelefon mit richtig gutem UKW-Empfang – und das war kein Smartphone. Ich spreche vom Nokia X1-01, das sogar ohne Kopfhörerkabel als Antenne Empfang hatte und RDS-AF (also das Umschalten auf besser empfangbare Alternativfrequenzen) beherrscht hat.