Der britische Privatsender Boom Radio fordert die öffentlich-rechtliche BBC auf, ihren nationalen DAB-Multiplex vollständig auf DAB+ umzustellen. Die dadurch frei werdende Kapazität solle für neue kommerzielle Radioprogramme reserviert werden. Die Forderung ist einem Bericht des Onlimemagazins RadioToday zufolge Teil einer Reihe von Vorschlägen, die im Rahmen einer Konsultation der britischen Medienaufsicht Ofcom zur künftigen Rundfunkregulierung eingereicht wurden.
Nach Berechnungen von Boom Radio könnten durch eine Umstellung der nationalen BBC-Programme auf DAB+ Kapazitäten für bis zu zehn zusätzliche Radioprogramme entstehen. Gleichzeitig könnte die BBC dadurch zusätzliche Einnahmen erzielen.
An diese Sender sollen freiwerdende Kapazitäten gehen
Boom fordert allerdings, dass die frei werdenden Kapazitäten gezielt unabhängigen Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Sie sollten nicht an Unternehmen gehen, die bereits einen großen Anteil der nationalen DAB-Kapazitäten in Großbritannien kontrollieren. Nach Einschätzung von Boom entfallen rund 90 Prozent der Kapazitäten der beiden nationalen kommerziellen DAB-Multiplexe auf Global, Bauer und News UK. Andere Anbieter hätten damit nur einen vergleichsweise kleinen Anteil.
Als Beispiel nennt Boom den eigenen Ableger Boom Light. Das Programm ist derzeit auf dem Londoner Multiplex London II sowie mehreren lokalen Small-Scale-DAB-Multiplexen zu hören. Eine landesweite Verbreitung sei nicht möglich, weil entsprechende nationale Kapazitäten fehlen. Die Nutzung zahlreicher lokaler Multiplexe sei für ein Nischenprogramm zudem wirtschaftlich problematisch, da Boom Light nationale und keine lokalen Werbeeinnahmen erzielt.
Auch der Branchenverband Radiocentre fordert Ofcom auf, zusätzliche Kapazitäten auf den bestehenden nationalen Multiplexen zu prüfen. Zudem sollte nach Ansicht des Verbands die geplante britische „Digital Radio and Audio Review“ die Möglichkeit einer Umstellung des BBC-Netzes auf DAB+ untersuchen.
Mehr Spielraum für Small-Scale-DAB
Ein weiterer Schwerpunkt der Stellungnahmen betrifft die sogenannte 40-Prozent-Regel für die Überschneidung von Small-Scale-DAB-Multiplexen. Zahlreiche Anbieter halten die bisherige Begrenzung für zu restriktiv und fordern größere Spielräume bei der Erweiterung der Versorgungsgebiete.
Teilweise wird sogar vorgeschlagen, in bestimmten Fällen eine Überschneidung von bis zu 100 Prozent zuzulassen – etwa wenn ein Multiplex bereits nahezu ausgelastet ist. Ist noch ausreichend Kapazität vorhanden, könnten nach den Vorstellungen einiger Anbieter Überschneidungen von bis zu 75 Prozent ermöglicht werden.
Die bestehende Regelung wird von mehreren Unternehmen als überholt kritisiert. Sie verhindere eine bessere Versorgung, ohne dass ein klarer Nutzen dieser Einschränkung nachgewiesen sei. Insgesamt zeichnet sich damit in den Stellungnahmen ein deutlicher Wunsch nach mehr DAB+-Kapazität für unabhängige Anbieter, besseren Versorgungsmöglichkeiten für Small-Scale-DAB und schnelleren Entscheidungen durch Ofcom ab. Umstritten bleibt jedoch, wie weit die bisherigen Beschränkungen gelockert werden sollen.
