Radio-4-Studio in der AKK-Sendezentrale in Ludwigshafen (Foto: RadioBlog.eu)
Radio-4-Studio in der AKK-Sendezentrale in Ludwigshafen (Foto: RadioBlog.eu)

40 Jahre RPR: Erster landesweiter Privatsender hat runden Geburtstag

Am Nachmittag des 30. April 1986 hörte ich auf 103,6 MHz schwach die Testschleife einer neuen Radiostation. Die Rede war vom Start eines mir bis dato unbekannten Radio 4. Zudem stiftete die Schleife Verwirrung. Einerseits war vom 1. Mai für die Aufnahme des Sendebetriebs die Rede, dann wieder hieß es, dass der Start bereits am 30. April um 18.30 Uhr erfolgt.

Um 18.25 Uhr wurde tatsächlich ein Countdown gestartet. Fünf Minuten später ging Radio 4 auf Sendung. Dabei war Radio 4 kein Programmveranstalter, sondern der Oberbegriff für gleich vier Anbieter, die sich die Frequenz seinerzeit geteilt haben: PRO Radio 4, Radio 85, der Linksrheinische Rundfunk und RPR, das unter dem Namen RPR1. noch heute existiert.

Ohne es im Vorfeld zu wissen, erlebte ich den Start des ersten landesweiten Privatsenders in Deutschland – wobei zum Start von einer landesweiten Verbreitung keine Rede sein konnte. Der 5-kW-Sender auf dem Fernsehturm in Mannheim im benachbarten Baden-Württemberg war in der Pfalz, in Nordbaden und Südhessen zu empfangen, nicht aber im Rheinland, in Eifel und Hunsrück.

Ab Juli weitere Sender in Mainz und Koblenz

Erst am 1. Juli 1986 gingen Sender in Mainz und Koblenz in Betrieb. Über den Sender in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt konnte ich Radio 4 erstmals rauschfrei empfangen. Sukzessive wurde das Sendernetz ausgebaut, sodass es heute tatsächlich landesweit verfügbar ist. Nur auf dem Donnersberg, einem reichweitenstarken Standort in der Pfalz, hat Radio 4 bzw. RPR nie einen Sender bekommen. Das ist bis heute ein Nachteil gegenüber dem Südwestrundfunk.

Radio 4 war für mich in den ersten Jahren nach Sendestart „der“ Sender. Vor allem RPR und Radio 85 machten hervorragende Sendungen. PRO Radio 4 lieferte mit der Rosa Welle (benannt nach dem damaligen Anzeigenblatt Blitz-Tip, das auf rosafarbenem Papier erschien) ein tolles Regionalfenster für das Rhein-Main-Gebiet. Nur mit dem Linksrheinischen Rundfunk konnte ich nichts anfangen.

Im Laufe der Jahre verlor RPR für mich seinen Reiz. Mit Antenne Bayern und FFH gab es ähnliche Programme, die ich noch viel besser empfangen konnte. Radio Primavera, Welle Untermain und Radio ARA machten aus Aschaffenburg Lokalprogramm und berücksichtigten auch meine Region bei ihrer Berichterstattung. Heute behauptet RPR1. auf seiner Webseite, den „besten Musikmix“ zu spielen – wie hunderte anderer Privatsender auch. Von den innovativen Sendungen der ersten Jahre ist – zumindest aus meiner Sicht – nicht viel übrig.