Sendeanlagen auf dem Edificio Mercurio II in Playa del Ingles (Foto: RadioBlog.eu)
Sendeanlagen auf dem Edificio Mercurio II in Playa del Ingles (Foto: RadioBlog.eu)

Spanien: Wenn UKW-Sender den DAB+ Empfang stören

Im Raum Maspalomas auf Gran Canaria können mittlerweile zwei DAB+-Multiplexe empfangen werden. Im Kanal 9A sendet vom Dach des Hotels Mirador Maspalomas by Dunas CANARDAB-GC. Im Kanal 10A wird DIGI-CAN GC verbreitet. Senderstandort ist der Tabaibas bei Bahía Feliz. CANARDAB-GC hat demnach den Vorteil des Senders mitten im Zielgebiet Maspalomas, während DIGI-CAN GC den exponierteren Standort in gut 400 Meter Höhe hat.

In der Praxis kommt es beim Empfang beider Multiplexe in Playa del Ingles zu Aussetzern. Hintergrund ist nicht ein möglicherweise zu schwaches Signal. Vielmehr werden die Sender – unbewusst – von anderen Radiostationen gestört. Fährt man von Norden – etwa der Autobahn – kommend in die Touristenhochburg, so zeigen sich in der Avenida de Tirajana auf dem Edificio Mercurio II gleich eine Reihe von Sendeantennen.

Zwei Standorte mit starken UKW-Sendern mitten in der Stadt

Vom Gebäude, in dem auch das deutschsprachige Mix Radio Gran Canaria seine Studios hat, senden gleich vier Radiostationen auf UKW: Mix Radio auf 101,1 MHz, Radio Planeta auf 90,1 MHz, Los 40 auf 96,4 MHz und SER auf 105,6 MHz. Mischprodukte im UKW-Bereich lassen sich im Umfeld solcher Sendeanlagen nicht verhindern. Die Sender sorgen aber auch dafür, dass der DAB+-Empfang auf einer Strecke von mehreren hundert Metern nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.

Holland-FM-Sender in Playa del Ingles (Foto: SmartPhoneFan.de)
Holland-FM-Sender in Playa del Ingles (Foto: RadioBlog.eu)

Die nächsten Aussetzer beim DAB+-Empfang gibt es rund um die Plaza Agaete. Hier stehen auf dem Excelsior 1 genannten Gebäude die UKW-Sender von Holland FM Gran Canaria (90,7 MHz), Gold FM (103,8 MHz), Radio Paloma Gran Canaria (105,1 MHz) und Radio PrimaVera Gran Canaria (107,3 MHz). Wie rund um das Edificio Mercurio II kommt es auch an der Plaza Agaete zu weiträumigen DAB+-Empfangsstörungen.

Verhindern lassen sich solche Effekte im Umfeld starker Sendeanlagen nicht. Es kommt nicht nur auf die Unterdrückung von Oberwellen bei den UKW-Sendern an, sondern auch auf die Großsignalfestigkeit des Radios, das für den DAB+-Empfang zum Einsatz kommt. Nachteil in Playa del Ingles: Der digitale Empfang ist in großen Teilen des Zielgebiets nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Vergleichbare Effekte auch in Deutschland

Ähnliche Effekte gibt es auch in Deutschland. Fährt man auf der Autobahn A5 am 5-kW-Sender Darmstadt von hr info auf 107,0 MHz vorbei, verstummt – je nach Autoradio – kurzzeitig der zweite DAB+-„Bundesmux“. Das ist ärgerlich, aber wenigstens nur beim mobilen Empfang relevant, während es die Empfangsprobleme in Playa del Ingles mitten in der Stadt gibt.

Die Lösung wäre, die UKW-Sender, die laut FMLIST mit bis zu 5 kW ERP arbeiten, aus der Stadt heraus zu verlagern, etwa nach Salobre oder auf den Tabaibas. Auch hinsichtlich der elektromagnetischen Verträglichkeit wäre das von Vorteil. Ich fürchte aber, darauf werden die Betreiber keine Lust haben. Daher wird sich an der DAB+-Empfangsmisere im Süden von Gran Canaria wohl auf absehbare Zeit nichts ändern.