Anfang Mai hat Spotify in Deutschland ein Feature eingeführt, das es in englischsprachigen Ländern bereits seit mehreren Jahren gibt: den Spotify DJ. Das Feature soll den Musikstreaming-Dienst zu einer Art persönlichem Radioprogramm für den Hörer machen. Ich habe einen Monat Spotify Premium gebucht, um den Dienst einmal auszuprobieren. Mit Spotify Free ist das nämlich nicht möglich.
Auch nach der Buchung war der Spotify DJ in den Apps für iOS und Android nicht sofort auffindbar. Nach Eingabe des Suchbegriffs „DJ“ klappte es dann doch. Eine KI-Stimme, der Spotify für deutschsprachige Hörer den Namen Ben gegeben hat, stellte sich vor und erklärte, er würde nun meine Lieblingsmusik spielen – angereichert durch Klassiker und aktuellere Titel, von denen die KI meint, dass sie zu meinem Musikgeschmack passen.
„Ben“ kennt die Lieblingsmusik des Hörers
Das mit der Musikauswahl klappte recht gut. Kein Wunder, denn „Ben“ greift auf meinen bisherigen Hörverlauf bei Spotify zurück. Wenn er doch einmal etwas spielt, was gerade nicht passt, kann man sprachgesteuert oder per Texteingabe Einfluss auf die Playlist nehmen – allerdings nur, wenn man direkt am Smartphone oder Tablet streamt, nicht über verbundene Geräte.
Auf Sonos habe ich den Spotify DJ nicht gefunden. Der Dienst ist dennoch nutzbar, wenn man auf Spotify Connect zurückgreift und die Wiedergabe auf den WLAN-Lautsprechern über die Smartphone-App steuert. Wünschenswert wäre, dass das künftig auch direkt über die Spotify-Integration bei Sonos funktioniert.

Das macht der Spotify DJ
Ben erzählt alle paar Titel zwischendurch etwas zur gehörten Musik. Oder aber er kündigt an, dass er nun Songs aus einem anderen Genre spielt. Das klingt tatsächlich so ein bisschen wie Radio, wenn auch Nachrichten, Wetter und weitere Beiträge fehlen. Allerdings will Spotify seinen DJ weiter ausbauen. Wer weiß, vielleicht können sich Nutzer künftig ihre Wunsch-Themenbereiche zusammenklicken, und passende Beiträge werden ins Programm integriert?
Während des Tests bin ich allerdings auch an Grenzen des Systems gestoßen. Die Übergänge zwischen Musiktiteln sowie zwischen Moderation und Musik sind noch etwas holprig, nahtlose Übergänge gibt es nur, wenn man direkt über eine mobile App hört, nicht aber über Spotify Connect. Hier sollte der Musikstreaming-Dienst nachbessern.
Fazit: Verdammt nah am Radio, aber…
Es fällt einem schwer, dieses schon recht gut funktionierende Personal Radio zu ignorieren. Der Reiz ist, dass generell die eigene Lieblingsmusik und verwandte Titel gespielt werden. Zudem kann man immer noch auf die Möglichkeit zurückgreifen, Ben um andere Musiktitel zu bitten. Das ist besser als bei jedem herkömmlichen Radioprogramm.
Ist der Spotify DJ somit das neue Radio? Eindeutig nein! Die Hörer-Ansprache eines echten Moderators ist durch KI – Stand jetzt – nicht zu ersetzen. Spontane Einfälle, Bezug auf aktuelle Ereignisse usw. – das kann Ben nicht. Das sind und bleiben die Stärken des echten Radios. Bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter es verstehen, die Vorzüge des Mediums Radio auszuspielen, statt auch in linearen Programmen immer mehr auf KI und Automation zu setzen.