In Südafrika sind neue Testsendungen für terrestrisches Digitalradio geplant. Diese sollen in wenigen Wochen starten, wie das Onlinemagazin TechCentral berichtet. Während es in Südafrika bereits drei DAB+-Multiplexe gibt, soll für die jetzt geplanten Tests der DRM+-Standard genutzt werden. Als Starttermin ist der Welttag des Radios, also der 13. Februar, im Gespräch.
Aldred Dreyer, Vorsitzender der DRM South Africa Group, der Organisation, die die Entwicklung, Einführung und Förderung von DRM-Radio in Südafrika vorantreibt, erläuterte: „Wir haben Ende November die Genehmigung erhalten und planen nun den Test selbst und die Vorführungen, die wir durchführen möchten.“ Der Testlauf wird von einem hoch gelegenen Standort in Northcliff, Johannesburg, aus durchgeführt. Genutzt wird Frequenzspektrum im herkömmlichen UKW-Rundfunkband.
Diese Veranstalter sind dabei
Zu den ersten Teilnehmern des Versuchs gehören Hot 102.7FM und Radio Pulpit. Die Organisatoren wollen weitere Sender – insbesondere Community-Stationen – zur Teilnahme einladen. Dreyer sagte, er plane auch, sich an die Technologieabteilung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt SABC zu wenden, um das Interesse an einer Teilnahme am Versuchsbetrieb zu sondieren.
Die Lizenz erlaubt einen achtmonatigen Testlauf mit der Option, ihn bei Bedarf um weitere sechs Monate zu verlängern. Südafrika hat bereits zuvor mit Digital Radio Mondiale (DRM) experimentiert. Laut Dreyer unterscheidet sich der neue Pilotbetrieb von früheren Tests, die sich hauptsächlich auf die Modellierung der Abdeckung und die Leistung der Sender konzentrierten. „Dieses Mal wollen wir die Funktionen testen“, sagte er.
Zu den wichtigsten Anwendungsfällen, die demonstriert werden sollen, gehören dem Bericht zufolge
- Notfallwarnsysteme, eine der wichtigsten Funktionen von DRM
- Fernunterricht und Datendienste, die das Team am Welttag des Radios öffentlich vorführen möchte
- Mehrkanalübertragung, bei der ein einzelner Sender mehrere digitale Radiosignale innerhalb eines Frequenzbereichs übertragen kann
- Energieeffizienz mit detaillierten Messungen der tatsächlichen Energieeinsparungen im Vergleich zu analogem FM.
Energie-Einsparungen und interaktive Funktionen
Die Möglichkeit, mehrere Dienste über einen einzigen Sender zu übertragen, ist laut Dreyer für Sendernetzbetreiber wie Sentech von besonderem Interesse. So ließen sich Einsparungen bei den Infrastruktur- und Betriebskosten erzielen. Aldred Dreyer: „Wir wollen die tatsächlichen Energiekosten messen und zeigen, wie hoch die realen Einsparungen sind.“
Im Rahmen des Versuchs wird auch untersucht, wie die interaktiven Funktionen des digitalen Radios in den täglichen Betrieb der Rundfunkanstalten integriert werden können – von Arbeitsabläufen über die Einbindung des Publikums bis hin zu neuen Inhaltsformaten.
Einer der interessantesten Vorteile von DRM+ sei die Möglichkeit, in den Schutzbändern zwischen bestehenden analogen Sendern zu arbeiten. „Das FM-Spektrum in Gauteng ist sehr dicht besetzt – so sehr, dass die südafrikanische Telekommunikationsbehörde Icasa ein Moratorium für neue FM-Lizenzen verhängt hat“, sagte Dreyer. „Mit DRM kann man einen digitalen Dienst zwischen bestehenden FM-Diensten einfügen, ohne Störungen zu verursachen. Ob die Regulierungsbehörde dies zulassen will, ist letztlich ihre Entscheidung.“
Sowohl DAB+ als auch DRM+ haben ihre Berechtigung
Südafrika fährt bei der Einführung von Digitalradio zweigleisig. Das heißt, DAB+ und DRM(+) werden gleichermaßen berücksichtigt. Aldred Dreyer sieht die beiden Systeme in einer unterschiedlichen, sich ergänzenden Rolle:
- DAB+ eigne sich gut für große Multiplexe für Veranstalter wie die SABC, insbesondere für die landesweite Abdeckung, und neue rein digitale Dienste.
- DRM hingegen funktioniere über mehrere Frequenzbänder hinweg und sei ideal für Community-Sender oder kommerzielle Betreiber, die bestimmte Ballungsräume ansprechen.
Da Staaten wie Indonesien und die Länder der Southern African Development Community (SADEC) denselben Dual-Standard-Weg einschlagen, glaubt Dreyer, dass die Hersteller von Empfangsgeräten zunehmend erschwingliche Geräte auf den Markt bringen, die beide Standards unterstützen. Bislang gibt es solche Dual-Standard-Receiver noch nicht.
