hr streicht Radioangebot zusammen (Foto: Hessischer Rundfunk)
Peinliche Kommunalwahl-Berichterstattung im hr (Foto: Hessischer Rundfunk)

Kommentar: Hessischer Rundfunk blamiert sich am Kommunalwahl-Abend

Am Sonntag fanden in Hessen Kommunalwahlen statt. Wer auf eine ausführliche Berichterstattung am Wahlabend gehofft hatte, wurde zumindest vom Hessischen Rundfunk bitter enttäuscht. Natürlich gab es in den Nachrichten entsprechende Meldungen. Auch darüber hinausgehende Beiträge waren – vornehmlich auf hr info – zu hören. Die früher üblichen Wahl-Sondersendungen gab es dieses Mal aber nicht.

Der Hessische Rundfunk beschränkte sich weitgehend auf die Berichterstattung im Fernsehen und via Internet. So lobenswert die dortigen Angebote auch waren: Radio ist immer noch das meistgenutzte Massenmedium. Während einer Autofahrt gibt es kaum Alternativen. Vor diesem Hintergrund war es peinlich, dass die öffentlich-rechtliche Landesrundfunkanstalt ihren Informationsauftrag ausgerechnet hier vernachlässigt hat.

Ja, das Wahlsystem ist kompliziert und aus diesem Grund war es ausgeschlossen, dass schon am Sonntagabend Endergebnisse vorliegen, wenn man einmal von den Bürgermeister-Wahlen und Volksabstimmungen in einigen Kommunen absieht. Und doch gab es Trend-Ergebnisse, über die es sich zu berichten gelohnt hätte – inklusive erster Stimmen von Vertretern der Parteien.

hr-Hörfunk: „Business as usual“

Und was hat der hr gemacht? Gemeinschaftsprogramm mit SWR Aktuell auf hr info, gefolgt von der „ARD-Infonacht“. Die reguläre Sendung „hr1 am Sonntag“, gefolgt vom „ARD Musikclub Soul“ auf hr1 – ganz so, als hätten die Wahlen gar nicht stattgefunden. Die Konkurrenz war allerdings auch nicht besser. Hit Radio FFH sendete Filmmusik im Vorfeld der Oscar-Verleihung. Bei Radio Frankfurt wurde eine Chartshow mit Enrico Ostendorf ausgestrahlt.

Das war alles in allem eine ganz schwache Vorstellung der hessischen Hörfunkprogramme. Enttäuschend ist das vor allem beim gebührenfinanzierten Hessischen Rundfunk, der schließlich einen Versorgungsauftrag hat – nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch inhaltlich. Darf man den Rundfunkbeitrag eigentlich kürzen, wenn man sich von seiner Landesrundfunkanstalt über wichtige Themen nicht allumfassend informiert fühlt?

Diejenigen Vertreter der ARD-Anstalten, die Gebührenerhöhungen fordern, sollten erstmal ihre Hausaufgaben machen und über wichtige Ereignisse aus ihrem Sendegebiet berichten. Man kann nur hoffen, dass es der hr bei den nächsten Kommunalwahlen in fünf Jahren wieder besser macht.